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Gedanken für die Praxis – Nr. 38

Stolperfalle auf dem Weg nach oben: Die Karriere und das "Du"!

Bisher als Kollegin oder Kollege geschätzt und mit allen per „Du“ steigt jemand nun auf der Karriereleiter eine Stufe oder mehr höher. Und auf einmal wird aus dem gewohnten „Du“ ein „Sie“. Kennen Sie das?

Welche Folgen ergeben sich daraus? Welche Signale senden „Aufsteiger“ damit aus?

Ein neu ernannter Vorgesetzter, weiblich oder männlich, der nach seiner Beförderung nach oben intern vom „Du“ zum „Sie“ wechselt, erntet sehr oft Argwohn, verursacht häufig Frust und Unverständnis und wird gerne mit dem Etikett „arrogant“, „abgehoben“ versehen. Und sehr oft fragen sich die nun „Untergebenen“, was mit dem oder der „Neuen da oben“ denn los ist. Besonders evident mag dieses Thema für Personen sein, die in einem Unternehmen von der Lehre bis in oberste Führungspositionen gelangen.

Manchmal sind die Motive für solches Verhalten an sich sogar nachvollziehbar, doch sie werden oft über-haupt nicht oder schlecht kommuniziert.

Wenn beispielsweise in internen Mails gesiezt statt wie bisher geduzt wird, mag die Sorge dahinterstecken, die Mail könnte auch ein externer Dritter erhalten und ein „Du“ wirke dann zu kumpelhaft. Wenn allerdings dieser externe Dritte zufällig weiß, dass sich neuer Vorgesetzter und Mitarbeiter bislang geduzt haben, wirft das „Sie“ auch bei ihm Fragen auf. Die Sprache bietet hier genügend Varianten, um dieses Thema zu lösen. Eine Alternative finden Sie nachstehend.

Ein weiteres Motiv, dass ein Vorgesetzter nun siezt, obwohl er als Gleichrangiger zuvor geduzt hatte und wurde, liegt in der Persönlichkeitsstruktur dieser Person. Die Spannbreite reicht von wenig Selbstbewusst-sein, von der Unsicherheit in der neuen Aufgabe bis hin zur Sorge: Werde ich überhaupt ernst genommen, wenn ich mich von Mitarbeitern duzen lasse? Nur eine schwache Führungspersönlichkeit wird so denken. Wer durch Wissen, Können sowie überzeugende Rhetorik und Körpersprache souverän führt, dem bricht das „Du“ keinen Zacken aus seiner Vorgesetztenkrone.

Also stellt sich die Frage: Wie gehe ich beim Aufstieg auf der Karriereleiter mit dem „Du“ um?

1. Wie so oft im Leben gilt auch hier: „Der Ton macht die Musik.“ Mehr noch: Die Etikette-Regeln lehren uns, dass ein einmal gegebenes „Du“ in der Regel nicht zurückgenommen wird!

2. Wer Angst davor hat, als Führungskraft mit dem „Du“ seiner Mitarbeitenden nicht klar zu kommen, der sollte konsequent bereits vor dem ersten Karriereschritt beim „Sie“ bleiben. Dies allerdings auch entspre-chend kommunizieren und nicht etwa ein „Du“-Angebot kommentarlos ablehnen.

3. Was spricht dagegen, die Kommunikation, z.B. auch in Mails, weiterhin im „Du“-Stil zu halten? Und sollte es in gut begründeten Einzelfällen notwendig sein, im „Sie“ zu formulieren, dann bietet sich an, diese „Sie“-Kommunikation per „Du“ vorab anzukündigen. Doch häufig fehlt dieser Kommunikationsschritt, mit den oben genannten Folgen.

4. Manche Vorgesetzten versuchen dem Dilemma dadurch zu entrinnen, dass sie zwischen interner Kommunikation und Kommunikation im Beisein von externen Dritten unterscheiden. Dies kann ein praktikabler Weg sein, wenn er mit den passenden Worten und mit Bedacht vorbereitet wird. Und mit Konzentration und Disziplin durchgeführt wird.
Doch Sie wissen: nobody is perfect – so kann es natürlich passieren, dass das „Du“ doch mal vor Dritten ungewollt über die Lippen rutscht. Ich überlasse es Ihrer Interpretation, welche Wirkung und welchen Wert das vorgespielte „Sie“ dann zeigt.
Dies können Sie beispielsweise auch in Fernsehinterviews sowie -diskussionen erleben – bei Sportlern wie auch bei Politikern: Für die Zuschauer wird ein vermeintlich neutrales und Distanz wahrendes „Sie“ benutzt, um dann in einer Sekunde der Unkonzentriertheit doch in das „Du“ zu verfallen. Wie entlarvend und unglaubwürdig!

Als ein Fazit lässt sich festhalten:
Wenn es Ihnen gelingt, mittels stimmiger Harmonie zwischen Ihrer Wortwahl und Ihrer Körpersprache sou-verän und glaubwürdig als Vorgesetzter aufzutreten, dann werden Sie ernst genommen und akzeptiert. Und die Frage nach dem „Du“ oder „Sie“ wird nahezu vollständig obsolet werden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf der Karriereleiter und ergiebige Diskussionen zum Thema „Du“ oder „Sie“. Kommen Sie im Zweifelsfall gerne auf mich zu.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Peter A. Worel


Den gesamten Text als pdf hierzu finden Sie mit nachfolgendem Link:
Gedanken für die Praxis – Nr. 38.pdf


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